Sechs Brückenbesichtigungswagen und zwei Deck Shuttle für die Brücke „Queensferry Crossing“ in Schottland geliefert

Wer hat die letzten beiden Jahre nicht von dem Neubau der Brücke „Queensferry Crossing“ in Edinburgh/Schottland gehört? Die mit 2,7 km weltweit längste Schrägseilbrücke mit drei Pylonen ist inzwischen fertiggestellt und wurde am 30.08.2017 offiziell eröffnet und für den Verkehr freigegeben. Grund genug auch unsere Beteiligung an diesem Projekt einmal vorzustellen:


Als Hersteller von Brückenzugangstechnik war es uns eine große Freude, dass wir uns wieder einmal durchgesetzt und den Zuschlag für dieses Großprojekt erhalten haben. Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens, dem die Brücke standhalten sollte und der angegebenen Brückenbreite, wurden die ausgeschriebenen Besichtigungswagen bereits in der Planung entsprechend berücksichtigt, da eine Inspektion mit mobilen Brückenuntersichtsgeräten nicht möglich gewesen wäre.


So stellten wir uns der Herausforderung sechs Brückenbesichtigungswagen und zwei Deck Shuttles speziell für die „Queensferry Crossing“ zu konstruieren, herzustellen und schließlich in drei Etappen zu installieren. Die Dimensionen der festinstallierten Brückenbesichtigungswagen sprechen für sich und haben die Längen unserer Fertigungshallen einige Male an ihr Limit gebracht:

4x MBU 220-3 (Gantry A/B)
Diese Besichtigungswagen ermöglichen den Zugang zur Unterseite des Brückendecks vom Südpylon „S1“ zum Nordpylon „N1“. Die Plattform ist jeweils 3 m breit und hat eine maximale horizontale Reichweite von 22 m. Durch die Traglast von bis zu  5.000 kg pro Gerät können bis zu 20 Personen gleichzeitig mit schwerem Werkzeug (ca. 3.000 kg Material) auf der Plattform arbeiten.
Die spezielle Konstruktion wurde individuell an die Form der Brücke angepasst, wodurch mehrere Arbeitsplattformen, dem Winkel des Außendecks angepasst, in verschiedenen Positionen an der jeweiligen Hauptplattform installiert wurden. Jedes der 4 Geräte läuft auf Schienen, die im Brückendeck eingebaut wurden. Sie können mit einer Geschwindigkeit von bis zu 20 m/min entlang der Brücke verfahren werden.
Es wurden jeweils zwei MBU 220-3 auf der Süd- und Nordseite der Brücke installiert, um die komplette Brückenlänge inspizieren und warten zu können. Die Parkpositionen der Maschinen befinden sich jeweils an den Pylonen.

2x MBU 270-3 (Gantry C)
Diese Besichtigungswagen ermöglichen den Zugang zur Brückenunterseite im Bereich Südpylon-Südauffahrt und Nordpylon-Nordauffahrt. Sie haben eine horizontale Reichweite von jeweils bis zu 27 m. Im eingefahrenen Zustand können die Besichtigungswagen durch die Brückenpfeiler hindurch fahren, austeleskopiert kann anschließend wieder die gesamte Deckbreite inspiziert werden.
Zusätzlich zur Haupt- und Teleskopplattform wurden links und rechts der Hauptplattform noch seitliche Serviceplattformen angebracht. Auf einer der beiden seitlichen Plattformen befindet sich das Bedienpult zur Steuerung des Besichtigungswagens, auf der anderen befinden sich sanitäre Anlagen für die Arbeiter.
Die Plattformbreite und Tragfähigkeit sind dieselben wie bei den MBU 220-3, allerdings wurde hier zusätzlich jeweils ein integrierter Hydrauliklift installiert, der den Zugang zu Hohlkästen ermöglicht. Dieser kann sowohl auf der Haupt- als auch auf der Teleskopplattform positioniert werden. Die maximale Arbeitshöhe des Lifts ist 7,4 m.
Ein MBU 270-3 wurde auf der Süd- und eines auf der Nordseite montiert. Die Parkpositionen der Maschinen befinden sich wieder jeweils an den Pylonen der Brücke.

Die Gantries A/B und C wurden nicht nur dazu entwickelt Zugang zu jeder Stelle in den riesigen Stahlhohlkästen zu haben, sondern wurden auch den spezifischen Umweltbedingungen über dem Meeresarm „Firth of Forth“  angepasst. Die Geräte halten heftigen Stürmen stand, zusätzlich wurden die Oberflächen feuerverzinkt um Korrosion vorzubeugen.
Die Gantries sind jeweils mit einem Antriebssystem ausgestattet, welches von einem integrierten Dieselgenerator mit Strom versorgt wird. Dies ermöglicht den Besichtigungswagen ihren jeweiligen Brückenabschnitt komplett zu befahren. Der Generator ist dabei nicht nur dazu entwickelt für die Antriebskraft zu sorgen, sondern auch um elektrische Werkzeuge mit Hilfe von Anschlussdosen mit Strom zu versorgen.
Das an die Kundenwünsche angepasste Steuerungssystem garantiert eine fortlaufende, verstellbare Fahrtgeschwindigkeit bei Steigung der Brücke bis zu 3%. Zudem besitzt es auch ein System, das die Synchronisation zwischen den unteren und oberen Fahrmotoren vorsieht. Hierbei kommt es nicht darauf an, wie die Belastung auf der Plattform verteilt ist. Das System überprüft ständig die Fahrgeschwindigkeit und passt wenn nötig die Drehzahl des jeweiligen Motors an.

2x Deckshuttle
Zusätzlich zu den Gantries wurden auch zwei Beförderungs-Shuttles hergestellt und installiert, welche im Inneren des Brückendecks verlaufen und somit jeweils 2 Personen und bis zu 150 kg Ausrüstung, unabhängig vom Verkehr auf dem Brückendeck, transportieren können. Die Fahrgeschwindigkeit beträgt 4 m/s.
Die Deckshuttle bestehen jeweils aus einem Stahlrahmen, der durch Aluminiumplatten und Plexiglas eingefasst ist. Sie werden jeweils durch wieder aufladbare Gelbatterien angetrieben, die genügend Kapazität für drei Rundumfahrten bieten (= 16 km).


Die Deckshuttles wurden bereits im November 2016 von uns installiert, bevor das Brückendeck geschlossen wurde.
Die sechs Gantries wurden nacheinander hergestellt, auf Testschienen in unseren Fertigungshallen aufgehängt, in transportierbaren Komponenten wieder abmontiert und auf mehreren LKWs verstaut nach Schottland überführt. Vor Ort wurden die Komponenten von unseren Monteuren wieder zusammengesetzt und auf großen Lastkähnen  unter die Brücke gefahren. Dort wurden sie mit Hilfe von Winden unter das Brückendeck gehoben und von uns installiert. Aufgrund der Größe der Gantries war diese millimetergenaue Positionierung und Installation eine anspruchsvolle Aufgabe, die die Kranführer und unser Team vor Ort im März und Juli 2017 mit Bravur gemeistert haben.


MOOG ist sehr stolz darauf bei diesem Projekt mitgewirkt zu haben, nicht nur durch die Lieferung o.g. Besichtigungswagen und Deckshuttle, sondern auch dadurch dass unser größter Kunde, die Firma WEMO-tec aus Eichenzell, mit diversen mobilen MOOG Brückenuntersichtsgeräten für mehrere Monate auf der Queensferry Crossing im Einsatz war:


Nach monatelanger Arbeit hinter den Kulissen und Besprechungen mit FCBC, bezog WEMO-tec im Dezember 2016 schließlich Stellung auf der Baustelle der Queensferry Crossing; die Maschinenauswahl wurde getroffen und die Arbeiten konnten beginnen. Dieses Projekt stellte sowohl die Maschinen als auch das Einsatzpersonal vor eine große Herausforderung: Eine Vielzahl von Arbeiten musste innerhalb eines sehr engen Zeitplans erledigt werden, der keinen Raum für Fehler zuließ.


Auf Grund Ihrer individuellen Eigenschaften wurden für dieses Projekt folgende Gerätetypen eingesetzt: MOOG Plattformformgeräte MBI 160 und MOOG Korbgeräte MBL 1200:
Die Flexibilität der Korbgeräte MBL 1200 ermöglichte kontinuierlichen Zugang, um das externe Drainagesystem vollständig montieren zu können und  kleinere Reparaturarbeiten an der Brückenkonstruktion vorzunehmen, die auf Grund des vorhergegangenen Bauprozesses erforderlich waren.
Die Plattformgeräte MBI 160 wurden eingesetzt, um die Hauptarbeiten durchzuführen, bei denen mehrere Arbeiter zur selben Zeit auf der Plattform benötigt wurden. Zu diesen Arbeiten gehörten u.a. die Installation und die Ausrichtung der Schienen für die von MOOG konstruierten, hergestellten und installierten Brückenbesichtigungswagen und die Durchführung einiger Lackierarbeiten.
Ein weiterer Arbeitsbereich bezog sich auf die Pylonen. Diese Arbeiten konnten allerdings erst beginnen, nachdem die Kräne abgebaut waren. Dies verstärke den Druck in Bezug auf den ohnehin bereits engen Zeitplan. Nachdem der Windschutz bereits vollständig installiert worden war, blieb nur noch ein Maschinentyp, mit dem es möglich war den Arbeitsbereich sowohl vertikal als auch horizontal vollständig abzudecken: Das Plattformgerät MBI 160. Die einzige denkbare Alternative wäre gewesen, den oberen Teil des Windschutzes während der Durchführung der Arbeiten nochmals abzumontieren, dies stellte jedoch keine praktikable Lösung dar.


WEMO-tec stellte sein erfahrenstes Bedienpersonal für die Ausführung dieser Arbeiten zur Verfügung, da während des Aufbaus der Brückenuntersichtsgeräte nur wenige Zentimeter Platz zwischen den Maschinen und dem Windschutz war, dies erlaubte natürlich keine Fehler. Das Bedienpersonal zeige unermüdlichen Einsatz vor Ort und die Koordination der Angestellten von WEMO-tec Deutschland und UK verlief Hand in Hand. Da das Fertigstellungsdatum immer näher rückte, wurde die Personalplanung in zwei Schichten abgeändert, die MOOG Maschinen waren dadurch 22 Stunden pro Tag im Einsatz. Die Arbeiten wurden schlussendlich erfolgreich abgeschlossen, ohne auch nur einen Ausfall beim WEMO-tec Personal oder bei den MOOG Brückenuntersichtsgeräten im Einsatz zu verzeichnen, was wirklich ein tolles Ergebnis ist!


Auch wenn Mensch und Maschine bei diesem Projekt an ihre Grenzen stießen, fühlen sich alle Arbeiter die vor Ort waren, egal ob von WEMO-tec oder MOOG, als ein Teil von etwas ganz Besonderem. Nicht nur auf Grund der vielen Arbeiten, die erledigt werden mussten, sondern auch durch die Gastfreundschaft vor Ort und die Kontakte, die untereinander geknüpft wurden.

 

Veröffentlichung der Bilder mit freundlicher Genehmigung von Transport Scotland